„Der Herr hat alles schön gemacht zu seiner Zeit.“ Prediger 3,11
Manchmal ist es nur ein Augenblick, der etwas in uns auslöst: ein Blick auf die Berge, das Läuten einer Kuhglocke, der Duft von frisch gemähtem Heu oder das Lachen spielender Kinder. Plötzlich fühlen wir Ruhe, Freude, Geborgenheit oder Dankbarkeit.
Christel verbindet solche Gefühle ganz besonders mit Oberstaufen. 1990 kam sie zum ersten Mal als Urlauberin hierher. Zehn Jahre lang kehrte sie immer wieder zurück. Schon beim Passieren des Allgäuer Tores stellte sich bei ihr das Gefühl von Erholung ein. In ihrem damaligen Hotel stand der Satz: „Nicht zu Hause und doch daheim.“ Vielleicht beschreibt dieser Satz genau das, was sie empfand. Aus Urlaub wurde Vertrautheit, aus Vertrautheit Verbundenheit. Im Jahr 2000 zog sie schließlich nach Oberstaufen. Heute sagt sie: „Ich habe noch nie so gerne irgendwo gewohnt wie hier.“ In diesen Worten steckt mehr als die Liebe zu einem Ort. Sie erzählen von Ankommen, Wohlfühlen und Dankbarkeit.
Auch Monika beschreibt solche Momente. Auf dem Freitagsmarkt erlebt sie die Begegnungen mit Menschen, das Lachen und die Gespräche. Im Kurpark beobachtet sie Kinder, Menschen und Hunde – und fühlt sich mitten im Leben und gleichzeitig wohl und geborgen.
Barbara findet ihre besonderen Augenblicke vor allem in der Natur. Der Sonnenuntergang am Hochgrat, die Weite der Landschaft und die Kuhglocken schenken ihr Ruhe. Von ihrem Garten aus beobachtet sie das Geschehen am Hündle. Kinder spielen, Autos fahren vorbei – doch für sie verschmelzen diese Geräusche zu einer vertrauten Klangkulisse, fast wie das Rauschen des Meeres.
Drei Menschen, drei unterschiedliche Erlebnisse – und doch geht es immer um dasselbe: Was etwas in uns auslöst. Unsere Sinne sind dabei eng mit unseren Gefühlen verbunden. Wir sehen etwas und staunen. Wir hören ein vertrautes Geräusch und fühlen uns geborgen. Wir riechen einen bestimmten Duft und eine Erinnerung ist plötzlich wieder da. Und manchmal reicht ein freundliches Wort oder ein Lächeln, um unseren Tag heller zu machen. Vielleicht ist das auch ein Stück Heimat: nicht nur dort zu sein, sondern etwas zu empfinden.
Die Bibel erinnert uns daran, achtsam wahrzunehmen und dankbar zu sein. Sie sagt: „Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung.“ (Römer 12,10)
Denn oft sind es nicht die großen Ereignisse, die uns berühren. Es ist der Sonnenuntergang, den wir bewusst wahrnehmen. Das vertraute Läuten der Kuhglocken. Der Duft einer Sommerwiese. Ein Gespräch auf dem Markt. Kinderlachen aus der Ferne. Vielleicht sind es genau diese kleinen Augenblicke, die aus einem Ort ein Gefühl machen. Und vielleicht müssen wir dafür gar nicht weit gehen. Manchmal genügt ein Blick aus dem eigenen Garten, ein Spaziergang durch den Ort oder ein Abend, an dem die Sonne langsam hinter den Bergen verschwindet. Wir müssen die schönen Momente nicht suchen. Wir müssen nur lernen, sie wieder wahrzunehmen.
Auf Wiedersehen – nicht Lebewohl
Liebe Leserinnen und Leser,
manchmal hat alles seine Zeit. Aus zeitlichen Gründen habe ich mich schweren Herzens dazu entschieden, meine Mitarbeit am Hahnschrei für unbestimmte Zeit ruhen zu lassen. Da ich meine Artikel immer mit viel Freude und Sorgfalt geschrieben habe, ist mir dieser Schritt nicht leichtgefallen. Von Herzen danke ich allen Leserinnen und Lesern für ihr Interesse und ebenso allen Menschen, die mir als Interviewpartner ihre Zeit und persönlichen Geschichten geschenkt haben. Ein besonderer Dank gilt Hildegard und Manfred Schröder, die mich immer wieder mit ihrem aufmerksamen Korrekturlesen unterstützt haben. Ich sage bewusst nicht Lebewohl, sondern Auf Wiedersehen. Vielleicht lässt es meine Zeit eines Tages wieder zu, für das Gemeindeblatt unserer Kirche zu schreiben.
„Alles hat seine Zeit, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“
Prediger 3,1
Danke für die schöne gemeinsame Zeit – und bis wir uns wiederlesen.
Herzlichst
Yvonne