"Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse"

Predigt zu 1. Korinther 4,1-5  - 12.12.2021 - 3. Advent


 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Der Predigttext für den heutigen 3.Advent steht in 1. Korinther 4,1-5:

 

Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden. Mir aber ist's ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht.

Ich bin mir zwar nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist's aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteilwerden.

Soweit der Text. Gott der Herr segne nun alles Reden und alles Hören. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

 

sicher kennen sie alle den folgenden Satz: ich muss dir ganz dringend etwas erzählen, aber das, was ich dir erzähle, ist ein Geheimnis und du darfst es auf keinen Fall weitersagen. Niemandem. Unter keinen Umständen. Und viele unter uns wissen, dass dies oft genug nicht der Fall ist, dass Dinge, die für einen ganz persönlich bestimmt waren, nicht geheim bleiben. Ganz im Gegenteil. Unter dem Mantel der Verschwiegenheit wird das Geheimnis weitergegeben und es ist irgendwann dann so weit, dass das große Geheimnis überhaupt nicht mehr geheim ist. Manche Menschen sagen ja sogar: wenn du möchtest, dass möglichst viel von etwas erfahren sollen, dann sag einfach: es ist ein Geheimnis, sag es nicht weiter – und du kannst darauf schwören, dass es genau deswegen weitergesagt wird.

 

Ich erzähl dir ein Geheimnis. Wenn jemand das macht, dann zeugt das eigentlich von einem großen Vertrauen einem anderen Gegenüber. Dann möchte ich ja, dass etwas, das mir wichtig ist, dass mich vielleicht auch belastet, jemanden sagen, damit ich es ein Stück weit loswerden kann. Und nichts ist enttäuschender, als ein Geheimnis zu verraten und so den anderen zu täuschen.

 

Ein Geheimnis anvertraut zu bekommen, ist darum auch eine große Verantwortung und für mich als Pfarrer ist es selbstverständlich, dass die Dinge, die mir Menschen in einem Gespräch anvertrauen, dann auch ein Geheimnis bleiben. Nicht umsonst spricht man vom Seelsorgegeheimnis, weitergehend auch vom Beichtgeheimnis, weil man in einem Pfarrer, einer Pfarrerin einfach eine Vertrauensperson sieht, der man Geheimnisse anvertrauen kann – darum wissend und darauf vertrauend, dass mein Geheimnis bei ihm bzw. ihr in guten Händen ist.

 

Auch in unserem heutigen Predigttext geht es um das Thema der Geheimnisse, Geheimnisse im Glauben. So schreibt der Apostel Paulus in unserem heutigen Text: dafür halte uns jedermann, dass wir Haushalter über Gottes Geheimnisse sind. Ja, es gibt um Gott und vor allem seinen Sohn Jesus Christus eine ganze Reihe von Geheimnissen.

 

Das war schon zu Lebzeiten von Jesus so. Als erstes Beispiel fällt mir Johannes der Täufer ein, von dem wir auch in der Lesung gehört haben. Johannes der Täufer, dem am 3. Advent traditionell besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, schickt aus dem Gefängnis seine Mitarbeiter zu Jesus und lässt fragen: Bist du es denn wirklich, der da kommen soll? Ganz bestimmt? Oder sollen wir doch lieber auf einen anderen warten? Wer weiß? Genau wissen kann man das nicht…

 

Johannes soll und will glauben, dass der Messias, der Gesalbte, der Langeerwartete gekommen ist. Das soll er glauben, ohne dass er genaue Beweise hat. Ungewissheit beschleicht ihn. Gern würde er wohl direkt zu Jesus gehen und anschauen und anfassen und die Wunder selbst sehen mit den eigenen Augen. Das würde ihm vielleicht die nötige Gewissheit geben. So, wie es viel später auch der Jünger Thomas einfordert, der Jesus als den Auferstandenen berühren will, damit er sich sicher sein kann. Doch Johannes kommt gar nicht nah genug an Jesus heran, eingesperrt im Gefängnis, gefangen von der Ungewissheit. Darum sollen ihm seine Jünger irgendwelche Beweise zurückbringen. Endlich will er Gewissheit haben, dass der Messias tatsächlich in diese Welt gekommen ist.

 

Johannes soll und will glauben, dass der Messias, der Gesalbte, der Langeerwartete gekommen ist. Das soll er glauben, ohne dass er genaue Beweise hat. Ungewissheit beschleicht ihn. Gern würde er wohl direkt zu Jesus gehen und anschauen und anfassen und die Wunder selbst sehen mit den eigenen Augen. Das würde ihm vielleicht die nötige Gewissheit geben. So, wie es viel später auch der Jünger Thomas einfordert, der Jesus als den Auferstandenen berühren will, damit er sich sicher sein kann. Doch Johannes kommt gar nicht nah genug an Jesus heran, eingesperrt im Gefängnis, gefangen von der Ungewissheit. Darum sollen ihm seine Jünger irgendwelche Beweise zurückbringen. Endlich will er Gewissheit haben, dass der Messias tatsächlich in diese Welt gekommen ist.

 

Diese und andere Geheimnisse des Glaubens freilich fordern heraus. Zuallererst meinen eigenen Glauben. Kann ich das wirklich glauben, was hinter diesen Geheimnissen steckt? Ist das nicht oft eine unglaubliche Botschaft, die uns Menschen, die wir immer alles erklärt haben wollen, an Grenzen führt? Kann man das alles so glauben? Geburt, Tod, Auferstehung, Trinität, Gericht und so vieles andere mehr!

 

Diese Geheimnisse des Glaubens fordern mich aber auch als Christ heraus im Umgang mit denen, die gerade in unseren Zeiten dem Glauben eher skeptisch gegenüberstehen. Anfeindung, Verspottung, der Lächerlichkeit preisgegeben werden – das gibt es nicht nur heute, das gab es schon vor 2000 Jahren. Überliefert ist Bild eines Gekreuzigten mit Eselskopf im Palatin in Rom, davor ein Beter und der Schriftzug: Alexamenos betet seinen Gott an. Das früheste Spottbild auf das Geheimnis des Todes Jesu, das uns überliefert ist. Heute schauen diese Spottbilder ganz anders aus.

 

Geheimnisse des Glaubens. Paulus fordert uns dazu auf Haushalter der Geheimnisse Gottes zu sein. Bzw. er erinnert uns daran, dass wir das sind, dass dies unsere Aufgabe ist. Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.

 

Was aber meint er damit, was soll dabei unsere Aufgabe sein? Was bedeutet dieser Satz? Auf die Spur kommen wir, wenn wir in den Original-Bibeltext hineinschauen. Denn Martin Luther hat das Wort „Geheimnis“, als er es in der Bibelübersetzung verwendet hat, mehr oder wenig neu erfunden. Denn das Originalwort ist ein anderes und lautet Mysterium. Denn darum geht es bei dem, was Luther als Geheimnisse übersetzt. Um ein Mysterium. Wort haben sie vielleicht schon einmal gehört. Gerade im MA und zur Zeit Luthers gab es dazu eine Vielzahl von Mysterienspielen, in denen Szenen aus dem Leben Jesu (ähnlich Passionsspiele), aber auch von Heiligen und v.a. in den Zeiten des Ablasses von der Hölle und den Höllenstrafen vorgespielt wurden. Deswegen hat Luther wohl auf dieses Wort Mysterium verzichtet und dafür das Wort Geheimnis genommen.

 

Mysterium freilich trifft das, was da beschrieben werden soll, besser. Man könnte es vielleicht so über-setzen: ein Mysterium ist etwas, was erfahrbar ist, sich aber nicht erklären und nur schwer beschreiben lässt. Und ein Mysterium hat immer etwas mit Gott zu tun. Schon von daher zeigt sich, dass ein Geheimnis bei Gott etwas ganz anderes als die Geheimnisse, die wir nicht verraten sollen. 

 

Ein Mysterium. Menschen erfahren, dass Jesus als Kind in diese Welt kommt und können es nicht erklären und nur schwer beschreiben. Menschen erfahren, wie Jesus Blinde sehend und Lahme gehend macht und können es nicht erklären und nur schwer beschreiben. Menschen erfahren, wie Jesus am Kreuz stirbt und am dritten Tage wieder aufersteht und seinen Jüngern begegnet und können es nicht erklären und nur schwer beschreiben.

 

Und ich denke, das ist eben der Unterschied zwischen Geheimnis und Mysterium. Geheimnis – weltlich, geht um etwas, was geheim bleiben soll, nicht verraten werden soll. Niemand soll dahinterkommen. Ein Mysterium aber ist nichts, was geheim bleiben soll, ganz im Gegenteil: es ist etwas, was offen daliegt und es ist etwas, was immer zwischen Gott und den Menschen zu tun hat. Und man muss es nicht verschweigen, nicht geheim halten wie ein Geheimnis, sondern darf es offenlegen und davon erzählen. Und genau das ist die Aufgabe für uns als die Haushalter der Geheimnisse Gottes.

 

Haushalter der Geheimnisse Gottes sein: der Welt diese mysteriöse Botschaft immer wieder neu sagen, gegen allen Anschein. So vieles geschieht in der Welt gegen alle Vernunft. In der christlichen Botschaft geht es nicht um Vernunft, sondern es geht um Glauben – wie jetzt im Advent: Glaube, dass Gott kommt im kleinen Stall, um die Welt zu retten.

 

Haushalter der Geheimnisse Gottes zu sein heißt auch, sich dafür stark zu machen, dass es im Glauben nicht um Gewissheiten und Beweise geht, sondern dass wir den Spalt des Ungewissen offenhalten. Von daher könnte man Paulus auch übersetzen und sagen: Geheimnisse müssen wir nicht nur aushalten! Wir müssen sie sogar schützen, so lange bis Gott kommt!

 

Haushalter über Gottes Geheimnisse zu sein heißt Menschen immer wieder von dem zu erzählen, was hinter den Geheimnissen/Mysterien steckt. Auch wenn wir dafür belächelt werden, auch wenn wir angefeindet werden, auch wenn wir an Geschehnisse glauben, die logisch nicht erklärbar sind. Eben an Mysterien. Und das eben dies das Besondere am Glauben ist. Dass er offen ist für etwas, was wir nicht so einfach beschreiben können, für diese andere Welt, die für uns unsichtbar und oft fremd ist.

Haushalter könnte man auch übersetzen mit: Geschäftsführer für die Verbreitung dieses Geheimnisses sein. Menschen zu sein, die andere mitnehmen auf dem Weg, des Glaubens. Die andere ermutigen, auf Gott zu vertrauen. Die ihm zutrauen, dass sich durch ihn im Leben etwas verändern kann. Menschen, die Advent und Weihnachten als Zeit gestalten, die an das Mysterium der Geburt Jesu erinnert. Haushalter über Gottes Geheimnisse. Keine Geheimniskrämer, die aus ihrem Glauben ein Staatsgeheimnis machen, sondern Menschen, die andere zum Glauben einladen. Wenn wir das immer wieder umsetzen, dann kann es uns gelingen, dass wir das sind, was Paulus von uns fordert: Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.  Amen

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Barmherziger Gott und Vater,

 

du hast dich aufgemacht, um zu uns zu kommen als das Licht der Welt; öffne du unsere Augen für dein Kommen in diese Welt, damit wir dein Wort hören und dein Wort auch unser Leben hell machen kann. Das bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


 

Pfarrer Frank Wagner


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Predigt zu 1. Korinther 41-5 - 12.12.202
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